Manchmal greife ich zu einem Chardonnay mit einer ganz bestimmten Hoffnung: opulent, fett, cremig – so ein Wein, der dir schon beim ersten Schwenken die ganze Barrique-Klaviatur um die Ohren haut. Heute steht dafür ein Vigna San Francesco Chardonnay 2016 auf dem Tisch – ein Wein, der aus einem ziemlich ambitionierten Projekt entstanden ist:
Mitte der 1980er Jahre startete man auf dem Landgut Regaleali die Herausforderung, aus Chardonnay „einen Wein von höchster Qualität und Rang“ zu schaffen. Der gleichnamige Weinberg San Francesco wurde 1985 von Lucio Tasca im unteren Hangbereich angelegt – auf einem Boden, der durch eine tiefere aktive Schicht und geringere Regenwasserabfuhr frischer und fruchtbarer ist als die durchschnittlichen Regaleali-Böden. Ein Teil des Klonmaterials stammt aus dem Burgund. Rebsorte Chardonnay, Weinart Sicilia DOC, Anbaugebiet Landgut von Regaleali – Palermo – Sizilien. Die Weinbergsfläche „San Francesco” liegt bei Ha 4,9 (Anbaujahr 1985), auf 530 m ü.d.M., Exposition Süd/Ost, Erziehung spalier, Schnitt doppelter guyot, Stockdichte 3.200/Ha, Ertrag 98 Dz/Ha. Der Boden: lehmig-sandige Sedimente mit lehmig-toniger, leicht kalkiger Textur, leicht alkalisch (pH 8,1), tief und gut strukturiert – aber die Wurzeln reichen nicht weiter als 70 cm. Organische Substanz normal, reich an Mineralsalzen (insbesondere Magnesium und Kalium) und mit gutem Phosphorgehalt.
Auch die Vinifikation zielt klar auf Struktur und Holz: Die Gärung erfolgt in 350-Liter-Barrique-Fässern aus französischer Eiche (Allier und Tronçais) bei 18 °C, mit 15 Tagen Schalenkontakt. In den ersten 10–15 Tagen gibt’s tägliche Batonnage, danach wöchentlich – über die restlichen 8 Monate Reifezeit. Malolaktische Gärung wurde nicht durchgeführt. Der Ausbau: 8 Monate in 350-Liter-Fässern (Allier/Tronçais), 70 % neu, 30 % zweite Passage. Analytisch besteht der Wein aus 13 % Vol., pH 3,48, Gesamtsäure 5,25 g/l, Restzucker 0,6 g/l, Gesamtextrakt 22,9 g/l.
Meine Verkostung
Ich habe den Wein heute mit einer leichten Kühle erwischt (frisch vom Kölner Weindepot ergattert und vom netten Thomas Cibis empfohlen) wo die Flasche ca. 30 Minuten draußen im Rucksack bei ca. 3°C war). Und genau diese Temperatur macht in der Nase erstmal etwas Unerwartetes auf: nicht sofort „Popcorn & Butterbombe“, sondern eher ein Menü – fast wie ein Fischgericht mit feiner zitrischer Senfsauce. Danach schiebt sich reife Aprikose nach vorne, und ganz am Ende kommt Holz dazu.
Am Gaumen war ich im ersten Moment kurz irritiert: Ich hätte mir mehr Cremigkeit gewünscht. Der Wein wirkt fast knackig, bleibt dabei aber weich – nur eben nicht so buttrig, wie ich es mir bei diesem Stil im Kopf ausmale. Was allerdings richtig gut sitzt: Das Barrique ist präsent und sauber eingebunden. Der Abgang: kurz bis mittellang. Erste Entscheidung: Mehr Zeit im Glas – der muss sich sortieren dürfen.
Und ja: Mit Wärme und Zeit gewinnt die Cremigkeit tatsächlich. Aber (und das ist der Punkt, der mich beschäftigt): Er wird für meinen Geschmack nicht wirklich voluminös. Er „explodiert“ nicht, entfaltet sich nicht so derbe, wie ich es erwartet hatte. Stattdessen bleibt er fein – sogar sehr fein. So fein, dass ich ihn gerade eher als Solo-Wein sehe: Zu Essen? Schwierig, weil er da schnell erschlagen würde. Ohne Food-Pairing dagegen: ziemlich lecker.
Mein Fazit: Er ist nett – aber für meinen persönlichen „opulent-cremig-Barrique“-Suchauftrag liefert er am Ende einfach zu wenig Opulenz fürs Geld. Was er dafür kann: ein ruhiger, feiner Chardonnay sein, der nicht laut sein will, sondern leise bleibt – mit einem Touch Holz.
Wenn ich ihn empfehlen würde, dann genau so: für einen entspannten Abend, der Zeit mitbringt – dazu gute Lo-Fi Musik (Klick), kein Essen, das ihn plattmacht, und einfach langsam Glas für Glas schauen, was sich zeigt. In dem Setting macht er Spaß: unaufgeregt, sauber, angenehm.


