Weinlagerung

Weinlagerung

Gestern hatte ich mich dazu entschieden, einen Chardonnay zu öffnen, den ich jedoch bereits vor einigen Jahren erstanden und in meinem Keller „zwischengelagert“ hatte. Keine gute Idee, wie sich herausstellen sollte.

TRILOGY by de Aguirre Family – Essential – Chardonnay – 2011 – Central Valley Chile

Beim einschenken fiel mir bereits diese vergleichsweise dunkle / goldene Farbe des Weins auf, welche schön anzusehen war jedoch Grund zur Skepsis bot. Die Skepsis wurde durch den ersten Geruch bekräftigt und abschließend mit dem Geschmack unterstrichen. Der Geruch war muffig, extrem prägnant und einfach unangenehm.

Der erste Schluck davon spiegelte exakt den Geruch wieder. Der Geruch wurde bestärkt und der Abgang war ein betörender Klang von Alkohol. Kaum etwas anderes als Alkohol.

Im ersten Augenblick war ich (natürlich) sehr enttäuscht. Hatte ich mich doch auf ein leckeres Glas Wein gefreut. Im weiteren Verlauf (ein Glas habe ich tatsächlich weiterhin probiert, da ich mir noch nicht bewusst war, was da passiert ist) jedoch fand ich das Problem interessant.

Was war da nun also passiert?

Ich begab ich mich auf die Recherche und versuchte irgendwie diesen Geschmack in Worte fassen. Und tatsächlich, bei weiterer Suche stieß ich auf Blumenkohlartige Gerüche, welche auf sog. Mercaptanböckser schliessen lassen konnten. Böckser sind unspezifische Ausdrücke für Geruchs- und Geschmacksfehler im Wein. Der Mercaptanböckser entsteht durch von Hefe in Schwefelwasserstoff umgewandelte Sulfite, welche durch die Schwefelung (Stichwort Haltbarkeit) in den Wein gelangten. Manchmal auch bei zu warmer Gärung. Werden nach der Gärung diese Sulfite mit einfachen Hilfsmittel (z.B. durch Belüftung, nach dem Abstich von der Hefe) nicht entfernt, entsteht dieser unangenehme Duft durch die Reaktion mit Alkohol.

Auch das längere Warten von 15-20 Minuten mit dem eingeschenkten Wein im Glas, was bei manchen Weinen noch Abhilfe schaffen kann, hatte keine Veränderung zur Folge.

Der Grund letztenendes war mit ziemlicher Sicherheit das Alter des Weins. Der Wein ist untere Qualitätsstufe aus Übersee. Chardonnay mit dieser geringen Qualitätsstufe verfügt über kein Lagerpotential. Man sollte ihn binnen zwei Jahren nach Abfüllung trinken. Also die Aneinanderreihung, dass der Wein zum einen 2011 abgefüllt, nach 2 Jahren von mir gekauft und danach 4 Jahre in meinem Keller (bei mir nicht bekannten Temperaturbedinungen (bzgl. Schwankungen)) verbrachte, war nicht nur nicht förderlich sondern eindeutig zu Tode gelagert.

Das ganze war nichstdestotrotz eine Erfahrung. Keine gute, aber eine wissenswerte.

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